Murnauer Horvath-Tage 2022

11.11. - 20.11.2022

Ödön von Horváth in Murnau – die Horváth-Tage 2022

 

„Wenn ich nur wieder in Murnau sein könnte…“, schrieb Ödön von Horváth in einem seiner Briefe. Er fühlte sich diesem Ort sehr eng verbunden, denn hier erlebte der Weltliterat seine kreativste Schaffensphase. Murnau a. Staffelsee bewahrt sein kulturelles Erbe und veranstaltet vom 11. bis 20. November die Murnauer Horváth-Tage 2022.

Unter dem Motto "Trau! Schau! Wem?“ findet vom 11. bis 20. November das größte Festival zu Leben und Werk Ödön von Horváths in Murnau a. Staffelsee statt: die Murnauer Horváth-Tage 2022. Die Ödön-von-Horváth-Gesellschaft hat ein facettenreiches Veranstaltungsprogramm aufgestellt, welches hochkarätige Künstler*innen und Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Ungarn zum Leben erwecken.

Horváth und Murnau

Ödön von Horváth (1901 - 1938) wurde in Fiume (heute Rijeka, Kroatien) geboren und musste wegen der Arbeit seines Vaters in seiner Kindheit sehr häufig umziehen. Schon in seinen ersten Lebensjahren sah er viel von Europa, denn er lebte in Belgrad, Budapest, Preßburg, Wien und München. Keinem Ort fühlte er sich besonders verbunden. Mit einer Ausnahme: Murnau a. Staffelsee.

Horváths Vater kaufte hier ein Grundstück und gab den Bau einer Villa in Auftrag. Von 1924 bis 1933 lebte und arbeitete der Schriftsteller daher in Murnau, im neu errichteten Landhaus seiner Eltern. An diesem Ort fühlte er sich heimisch und kam zur Ruhe. Der junge Mann liebte die Landschaft der Gegend und die dort lebenden Menschen übten eine Faszination auf ihn aus. Einige Plätze suchte er regelmäßig auf – so auch das Weinhaus Kirchmeir, eine seiner Lieblingsgaststätten, wo er sich bei Gesprächen am Stammtisch zu seinen Stücken inspirieren ließ.

Seine Zeit in Murnau stellt für Horváth seine wohl intensivste Schaffensphase dar, in welcher Werke entstehen wie „Zur schönen Aussicht“, „Italienische Nacht“, „Der jüngste Tag“ und „Jugend ohne Gott“. Murnau a. Staffelsee bewahrt daher sein kulturelles Erbe und widmet ihm eine ständige Ausstellung im Schlossmuseum Murnau. Auch auf einem Horváth-Rundweg lassen sich die Spuren des Weltliteraten nachverfolgen. Seit 1998 veranstaltet die Ödön-von-Horváth-Gesellschaft in einem dreijährigen Turnus die Murnauer Horváth-Tage, das weltweit einzige wiederkehrende Festival zu seinen Ehren.

Das Programm der Horváth-Tage 2022

Was lässt Menschen einander vertrauen? Warum geht Vertrauen verloren oder in die Brüche? Diese großen Fragen aus Horváths Werken beleuchtet das Festival. Eröffnet wird es mit der Verleihung der Ödön-von-Horváth-Preise durch die Ödön-von-Horváth-Stiftung. In diesem Jahr geht der Preis an Sir Christopher Hampton, den britischer Dramatiker, Übersetzer, Autor, Regisseur und zweifachen Oscar-Gewinner (für „Gefährliche Liebschaften“ und „The Father“). Den Ödön-von-Horváth-Förderpreis erhält die österreichische Regisseurin Christina Gegenbauer.

Weitere Veranstaltungspunkte, auf die Sie sich freuen dürfen:

  • Die Lesung „Hoffentlich haben Sie in Paris etwas Glück“, gestaltet von Sebastian Bezzel und der Jupiter-Award-Gewinnerin Johanna Wokalek (für ihre Rolle in die „Päpstin“).
  • Freuen darf man sich auch auf den österreichischen Kabarettisten und Ödön-von-Horváth-Preisträger (2019) Josef Hader mit seinem aktuellen Stück „Hader on Ice.“
  • Die Deutsche Bühne Ungarn führt die Zuschauer*innen in „Und die Liebe höret nimmer auf“ in ein ‚melancholisch-komisches Wartezimmer‘, in dem Horváth seinen ungarischen Zeitgenoss*innen begegnet.
  • Die Horváth-Gespräche thematisieren die aktuelle Horváth-Forschung und das Thema "Vertrauen". Renommierte Expert*innen wie Peter Michalzik, Autor von „Horváth, Hoppe, Hitler – 1926-1938 – Das Zeitalter der Masse“ sowie Jens-Malte Fischer, der Karl-Kraus-Biograph, nehmen daran teil.

Die Ödön-von-Horváth-Gesellschaft

Seit ihrer Gründung 2003 hat die Ödön-von-Horváth-Gesellschaft die Förderung von Horváths Werk zum Ziel sowie der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart, die in Zusammenhang zu seinem Werk steht. Die erste Vorsitzende der Gesellschaft ist Gabi Rudnicki und die künstlerische Leitung der Murnauer Horváth-Tage übernimmt Georg Büttel, Autor, Regisseur und Monica-Bleibtreu-Preisträger, als zweiter Vorsitzender. Ausführliche Infos zum Veranstaltungsprogramm finden Sie auf der Website der Gesellschaft, bei Instagram oder Facebook.

Verleihung der Ödön-von-Horváth-Preise 2022

© Gerard-Philippe_Mabillard
Christopher Hampton wird 2022 den Ödön-von-Horváth-Preis ausgezeichnet

Der Ödön-von-Horváth-Preis wird seit 2013 alle drei Jahre von der Ödön-von-Horváth-Stiftung in Murnau in Zusammenarbeit mit der Ödön-von-Horváth-Gesellschaft im Rahmen der Murnauer Horváth-Tage verliehen. In diesem Jahr erhält der britische Dramatiker, Übersetzer, Drehbuchautor und Regisseur Sir Christopher Hampton CBE FRSL den Preis. Der Ödön-von-Horváth-Förderpreis geht an die österreichische Regisseurin Christina Gegenbauer.

Christopher Hampton, ein profunder Kenner von Leben und Werk Ödön von Horváths, „hat Herausragendes für die internationale Rezeption und die Umsetzung der Werke Ödön von Horváths in den Genres Film und Theater geleistet“, begründet die Jury ihre Entscheidung. Gemeinsam mit Maximilian Schell schrieb er das Drehbuch zu dessen Verfilmung der „Geschichten aus dem Wiener Wald“ aus dem Jahr 1979. Er übersetzte und adaptierte zahlreiche Stücke Horváths für das britische und amerikanische Theater, darunter „Geschichten aus dem Wiener Wald“, „Glaube Liebe Hoffnung“, „Don Juan kommt aus dem Krieg“ oder „Der jüngste Tag“. In seinem Drama „Geschichten aus Hollywood“ (1982) spielt Hampton virtuos mit dem Gedanken, was geschehen wäre, wenn Ödön von Horváth nicht in Paris vom fatalen Ast erschlagen worden wäre, sondern in die USA hätte emigrieren können. In Wien war Hampton Regisseur zahlreicher vielbeachteter Horváth-Inszenierungen (darunter einer eigenen Bearbeitung von Horváths „Jugend ohne Gott“). Er ist seit 2020 Ehrenmitglied des Theaters in der Josefstadt.

Für seine Stücke, Arbeiten für Film und Fernsehen und Drehbücher wurde Hampton unter anderem mit zwei Oscars (Gefährliche Liebschaften 1989, The Father 2021) und vielen weiteren internationalen Preisen ausgezeichnet. „Sir Christopher Hampton tritt mit seinem Lebenswerk ganz im Sinne Horváths konsequent gegen Dummheit und Lüge auf“, so die Jury abschließend. Mit der individuellen Gestaltung des Preises werden grundsätzlich Kunstschaffende aus der Region beauftragt. Für Christopher Hampton entsteht aus der Hand von Ugo Dossi ein Kunstwerk, das die Verbindung von Horváth und dem Preisträger symbolisiert.

© Matthias_Koestler
Christina Gegenbauer erhält 2022 den Ödön-von-Horváth-Förderpreis

Der mit 5000 € dotierte Ödön-von-Horváth-Förderpreis geht an die österreichische Regisseurin Christina Gegenbauer. Sie schafft beeindruckende Inszenierungen von gesellschaftskritischen Stücken im Sinne Horváths an verschiedenen renommierten Theatern in Deutschland und Österreich, u.a. am Burgtheater Wien. Die Jury schreibt unter anderem: „Ödön von Horváth gehört zu den Lieblingsautoren von Christina Gegenbauer. (…) Wie er greift sie gesellschaftlich relevante Themen und Fragen nach Werten auf: Sowohl in ihren spartenübergreifenden Projekten wie auch in den Inszenierungen, für die sie die Vorlagen meist selbst aussucht. Mit dramaturgischer Sorgfalt und rhythmischer Klarheit versucht sie dabei ganz im Sinne Horváths ‚aus der Tragik die Komik herauszukitzeln‘.“

Die Preisübergabe findet im Rahmen der von Christoph Süß moderierten Eröffnung der Murnauer Horváth-Tage 2022 am Freitag, den 11. November 2022, um 20:00 Uhr bei freiem Eintritt in einer öffentlichen Veranstaltung im Kultur- und Tagungszentrum Murnau statt.

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