Murnauer Horvath-Tage 2022

11.11. - 20.11.2022

Trau! Schau! Wem?

​​​​​​​Horváth und Murnau

Der Schriftsteller Ödön von Horváth (1901 – 1938) und der Ort Murnau sind eng verbunden. Der Sohn eines ungarischen Diplomaten wurde in Fiume (heute Rijeka, Kroatien) geboren. Sein erstes Lebensdrittel erlebte er aufgrund der Tätigkeit seines Vaters in Belgrad, Budapest, Preßburg, Wien und München. Von 1924 bis 1933 lebte und arbeitete Horváth - abgesehen von beruflich bedingten Aufenthalten in Berlin - im 1924 neu errichteten Landhaus seiner Eltern in Murnau. Hier ließ er sich während seiner wichtigsten Schaffensphase von der Landschaft, von Ereignissen, persönlichen Erlebnissen und den Menschen zu einigen seiner bekanntesten Werke inspirieren – darunter die Stücke „Zur schönen Aussicht“, „Italienische Nacht“, „Der jüngste Tag“ sowie der Roman „Jugend ohne Gott“.

Murnau bewahrt das kulturelle Erbe dieses Weltliteraten und widmet ihm als weltweit einziger Ort im Schloßmuseum Murnau eine ständige Ausstellung. Der Horváth-Rundweg erschließt Stationen im Ort und verknüpft sie mit dem Werk des Autors. Seit 1998 veranstaltet die Ödön-von-Horváth-Gesellschaft in dreijährigem Rhythmus die Murnauer Horváth-Tage, das weltweit einzig wiederkehrende Festival zu Ehren des Schriftstellers. 

"Trau! Schau! Wem?“ lautet das Motto der Horváth-Tage vom 11. bis 20. November 2022. Es geht von den Fragen aus, die der Autor in seinen Werken immer wieder stellte: Was lässt Menschen einander vertrauen? Wie passiert es, bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt, dass Vertrauen zerstört wird? Das größte Festival zu Leben und Werk Ödön von Horváths beleuchtet diese nach wie vor brandaktuellen Aspekte. Namhafte Künstler*innen und Wissenschaftler*innen, ein motiviertes Kreativteam sowie engagierte Laien bieten eine spannende Mischung aus Theater, Lesung, Ausstellung und Diskussionen. Eröffnet wird das Festival mit der Verleihung der Ödön-von-Horváth-Preise durch die Ödön-von-Horváth-Stiftung.

Verleihung der Ödön-von-Horváth-Preise 2022

© Gerard-Philippe_Mabillard
Christopher Hampton wird 2022 den Ödön-von-Horváth-Preis ausgezeichnet

Der Ödön-von-Horváth-Preis wird seit 2013 alle drei Jahre von der Ödön-von-Horváth-Stiftung in Murnau in Zusammenarbeit mit der Ödön-von-Horváth-Gesellschaft im Rahmen der Murnauer Horváth-Tage verliehen. In diesem Jahr erhält der britische Dramatiker, Übersetzer, Drehbuchautor und Regisseur Sir Christopher Hampton CBE FRSL den Preis. Der Ödön-von-Horváth-Förderpreis geht an die österreichische Regisseurin Christina Gegenbauer.

Christopher Hampton, ein profunder Kenner von Leben und Werk Ödön von Horváths, „hat Herausragendes für die internationale Rezeption und die Umsetzung der Werke Ödön von Horváths in den Genres Film und Theater geleistet“, begründet die Jury ihre Entscheidung. Gemeinsam mit Maximilian Schell schrieb er das Drehbuch zu dessen Verfilmung der „Geschichten aus dem Wiener Wald“ aus dem Jahr 1979. Er übersetzte und adaptierte zahlreiche Stücke Horváths für das britische und amerikanische Theater, darunter „Geschichten aus dem Wiener Wald“, „Glaube Liebe Hoffnung“, „Don Juan kommt aus dem Krieg“ oder „Der jüngste Tag“. In seinem Drama „Geschichten aus Hollywood“ (1982) spielt Hampton virtuos mit dem Gedanken, was geschehen wäre, wenn Ödön von Horváth nicht in Paris vom fatalen Ast erschlagen worden wäre, sondern in die USA hätte emigrieren können. In Wien war Hampton Regisseur zahlreicher vielbeachteter Horváth-Inszenierungen (darunter einer eigenen Bearbeitung von Horváths „Jugend ohne Gott“). Er ist seit 2020 Ehrenmitglied des Theaters in der Josefstadt.

Für seine Stücke, Arbeiten für Film und Fernsehen und Drehbücher wurde Hampton unter anderem mit zwei Oscars (Gefährliche Liebschaften 1989, The Father 2021) und vielen weiteren internationalen Preisen ausgezeichnet. „Sir Christopher Hampton tritt mit seinem Lebenswerk ganz im Sinne Horváths konsequent gegen Dummheit und Lüge auf“, so die Jury abschließend. Mit der individuellen Gestaltung des Preises werden grundsätzlich Kunstschaffende aus der Region beauftragt. Für Christopher Hampton entsteht aus der Hand von Ugo Dossi ein Kunstwerk, das die Verbindung von Horváth und dem Preisträger symbolisiert.

© Matthias_Koestler
Christina Gegenbauer erhält 2022 den Ödön-von-Horváth-Förderpreis

Der mit 5000 € dotierte Ödön-von-Horváth-Förderpreis geht an die österreichische Regisseurin Christina Gegenbauer. Sie schafft beeindruckende Inszenierungen von gesellschaftskritischen Stücken im Sinne Horváths an verschiedenen renommierten Theatern in Deutschland und Österreich, u.a. am Burgtheater Wien. Die Jury schreibt unter anderem: „Ödön von Horváth gehört zu den Lieblingsautoren von Christina Gegenbauer. (…) Wie er greift sie gesellschaftlich relevante Themen und Fragen nach Werten auf: Sowohl in ihren spartenübergreifenden Projekten wie auch in den Inszenierungen, für die sie die Vorlagen meist selbst aussucht. Mit dramaturgischer Sorgfalt und rhythmischer Klarheit versucht sie dabei ganz im Sinne Horváths ‚aus der Tragik die Komik herauszukitzeln‘.“

Die Preisübergabe findet im Rahmen der von Christoph Süß moderierten Eröffnung der Murnauer Horváth-Tage 2022 am Freitag, den 11. November 2022, um 20:00 Uhr bei freiem Eintritt in einer öffentlichen Veranstaltung im Kultur- und Tagungszentrum Murnau statt.

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