„Drucken ist ein Abenteuer“: die neue Ausstellung im Schloßmuseum Murnau

© Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

 

Der Künstler HAP Grieshaber war bekannt für seine eindringlichen Drucke und Grafiken. Ab dem 13. Juli 2024 können Kunstbegeisterte seine Werke in der aktuellen Ausstellung im Schloßmuseum Murnau bewundern.

Nach einigen Verzögerungen durch die Pandemie ist es jetzt endlich soweit – der Druckkünstler HAP Grieshaber erhält seine eigene Ausstellung im Schloßmuseum Murnau. Vom 13. Juli bis zum 10. November 2024 dreht sich hier alles um die ausdrucksstarken und bildgewaltigen Werke des Grafikers. Der Fokus liegt dabei vor allem auf dessen Handrucken aus den 1950er Jahren – einer besonders prägenden Schaffensphase Grieshabers.

Sie stammen aus seiner Zeit an der Bernsteinschule in Sulz am Neckar. Sie geben einen besonders spannenden Einblick in Grieshabers künstlerische Entwicklung und erzählen vom Experimentieren mit verschiedenen Techniken und Stilen. So spielte er mit verschiedenen Farbvarianten derselben Motive oder schnitt bereits fertige Druckstöcke noch einmal um, um sie in etwas Neues zu verwandeln. Diese Veränderungen in seinem Schaffen können Ausstellungsbesucher hautnah und im direkten Vergleich erleben. Außerdem zeigt das Schloßmuseum ein SWR-Interview mit Grieshaber, welches den Besucherinnen und Besuchern ein besonders persönliches Bild des engagierten und sympathischen Künstlers vermittelt.

Grieshabers Drucke – mehr als nur ein Handwerk

Der Name „Drucken ist ein Abenteuer“ – ein Zitat von Grieshaber selbst – ist Programm. Die Ausstellung widmet sich ganz Grieshabers Handdrucken der 1950er Jahre und lässt nicht nur das große handwerkliche Geschick des Künstlers erkennen, sondern auch seine ausgesprochen kreativen Techniken. Wer das Wort „Drucken“ hört, denkt vermutlich erst einmal an einen maschinellen, monotonen Prozess. Aber nicht bei Grieshaber! Er verwendete unter anderem Alltagsgegenstände wie Löffel für seine Drucke und rieb das Papier mit deren Hilfe auf den farbigen Druckstock.

Außerdem benutzte er seine Druckstöcke häufig beidseitig oder klebte Lederstreifen auf den Druckstock, um bereits beschnittene Flächen wieder abzudecken. So verwandelte Grieshaber eine scheinbar monotone, routinehafte Tätigkeit in ein experimentelles Abenteuer. Jeder Holzstock, jeder Druck erzählt seine ganz eigene Geschichte. Mehr darüber erfahren die Ausstellungsgäste in den ausführlichen Bildunterschriften.

Zeitlos und aktuell

Die Druckgrafik hat eine lange Tradition in der Kunstszene und erfreute sich vor allem im Expressionismus besonders großer Beliebtheit. So fertigten bereits Franz Marc und die Künstlerinnen und Künstler der Vereinigung „Brücke“ herausragende Holz- und Linolschnitte. Auch Gabriele Münter und Wassily Kandinsky, die einige Zeit in Murnau lebten, kreierten zahlreiche Druckgrafiken. Somit ist diese Technik auch in der Marktgemeinde Murnau selbst besonders verwurzelt.

Ein Bestreben des Schloßmuseums ist es, in seinen Ausstellungen die Zeitlosigkeit und stetige Weiterentwicklung von Techniken und Stilmitteln aus dem Expressionismus zu zeigen. HAP Grieshaber, der der Kunst des Druckens Jahrzehnte später neues und individuelles Leben einhauchte, ist ein besonders anschauliches Beispiel. Neben seinem eigenständigen Stil war HAP Grieshaber ein sehr politisch engagierter Künstler. Besonders eindringliche Beispiele hierfür sind seine beiden 1950 entstandenen Plakate „Gefesselte Taube“ und „Koreanische Mutter“. Deren grafische Sprache und eindeutige Symbolik erzählen Geschichten, die heute so aktuell sind wie eh und je.

 

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