Am 10. Mai 2026 erinnert ein besonderer Gedenktag in Murnau an die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten im Jahr 1933. Der offene Lese-Marathon „Murnau liest gegen das Vergessen“ will ein eindrucksvolles Zeichen für Menschlichkeit und Meinungsfreiheit setzen.
Verbannt, vertrieben, verbrannt – und doch gehört: Zwischen 11 und 16 Uhr verwandelt die Lesung „Murnau liest gegen das Vergessen“ die Murnauer Fußgängerzone in einen Ort des Zuhörens und Innehaltens. Wer am Rathaus vorbeikommt, kann verweilen, lauschen und sich berühren lassen – unter freiem Himmel oder, sollte das Wetter nicht mitspielen, im Rathaus-Foyer.
Ein Gedenktag, der Stimmen zurückbringt
Rund 40 Mitwirkende lesen jeweils etwa sechs Minuten aus Werken von Autorinnen und Autoren, deren Bücher einst verbrannt und verboten wurden. Darunter sind bekannte und weniger bekannte Namen – einige davon mit Bezug zu Murnau. Eröffnet wird die Veranstaltung um 11 Uhr von Bürgermeister Rolf Beuting, der anschließend den ersten Text liest. Instrumentalmusik schafft zwischen den Lesungsblöcken Raum für Gedanken und Nachklang.
Die Lesung wird von einem kleinen Organisationsteam des Marktes Murnau Tourismus & Kultur getragen. Christian Jungwirth, der bereits 2019 eine Gedenklesung gestaltet hat, ist auch in diesem Jahr wieder für die Auswahl der Texte verantwortlich.
Worte, die bleiben
Das Format „Lesen gegen das Vergessen“ gibt es in ähnlicher Form auch in vielen anderen Städten und Gemeinden – in Murnau erhält es eine ganz eigene, persönliche Note. Besonders eindrucksvoll ist eine symbolische Geste: Bücher werden einer Feuerschale entnommen, gleichsam „aus der Asche gehoben“ und zurück ins Bücherregal des Bewusstseins gestellt. Ein stilles, kraftvolles Zeichen dafür, dass Gedanken und Überzeugungen nicht ausgelöscht werden können.
Der Gedenktag in Murnau versteht sich nicht nur als Retrospektive, sondern ebenso als Einladung zum Weiterdenken. Die Texte regen im Idealfall an, sich intensiver mit dem Schicksal der Autorinnen und Autoren auseinanderzusetzen sowie der Bedeutung von Freiheit, Toleranz und Zivilcourage in unserer Gegenwart nachzuspüren.
Ein Vorbeischauen lohnt sich – ob für wenige Minuten oder mehrere Stunden. Denn jede Stimme, jeder Text und jeder Zuhörende trägt dazu bei, die Erinnerung lebendig zu halten.