Vom 21. Mai bis 8. November 2026 widmet sich das Schloßmuseum mit der Sonderausstellung „Die fabelhaften Alben des Alfred Mayer“ einem faszinierenden Menschen, der lange im Hintergrund der Kunstgeschichte und doch in enger Verbindung zum Blauen Reiter stand.
Alfred Mayer (1860–1932) stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Frankfurt. Statt den Weg im Familienunternehmen einzuschlagen, zog es ihn zum Theater und zur Kunst. Nach ersten Jahren als Kaufmann in Berlin machte er seine Leidenschaft zum Beruf und arbeitete als Kritiker. Im Laufe seines Lebens veröffentlichte er mehr als 100 Texte und bewegte sich mitten in der pulsierenden Kulturszene seiner Zeit.
Ab 1906 lebte Mayer in München-Schwabing – damals Treffpunkt der Avantgarde. Dort begegnete er zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern und wurde für viele von ihnen ein enger Freund, Förderer und Vermittler.
Alfred Mayer und der Blaue Reiter
Besonders eng war Mayers Verbindung zu Kandinsky, Gabriele Münter, Franz Marc und vielen weiteren Künstlern des Blauen Reiter. Seine Gästebücher geben bis heute faszinierende Einblicke in diese Beziehungen. Auch Künstler wie Else Lasker-Schüler, Alfred Kubin oder Marianne von Werefkin waren Teil seines Umfelds.
Zu seiner Sammlung gehörten bedeutende Werke wie Impression I von Wassily Kandinsky, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, sowie Stillleben mit Distelblüte von Paul Klee. Auch Werke von Alexej von Jawlensky befanden sich in seinem Besitz. Trotz dieser engen Verbindungen verstand sich Mayer nie als Zentrum eines Netzwerks, sondern vielmehr als stiller Unterstützer im Hintergrund.
Fenster in eine vergangene Kunstwelt
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen drei Künstleralben und ein Fotobuch aus Mayers Nachlass, die heute Teil der Sammlung des Schloßmuseums sind. Die zwischen 1900 und 1931 geführten Bücher sind weit mehr als gewöhnliche Gästebücher. Sie gleichen kunstvollen Poesiealben voller Zeichnungen, Gedichte, Collagen und persönlicher Widmungen – darunter vermutlich sogar eines der letzten Werke Franz Marcs vor seinem Tod 1916.
Die Namen darin lesen sich wie ein „Who’s who“ der damaligen Kulturwelt: Else Lasker-Schüler, Klabund, Joachim Ringelnatz, Arthur Schnitzler, Heinrich Mann, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin, Marieluise Fleißer, Hannah Höch und viele mehr hinterließen darin ganz persönliche Spuren.
Besonders berührend sind die Einträge im Album seiner Tochter Eva. Künstlerinnen und Künstler gestalteten für das Mädchen fantasievolle Zeichnungen und farbenfrohe Aquarelle – ein sehr persönlicher Blick auf die Kunstszene jener Zeit.
Die „fabelhaften Alben“ wirken heute wie ein Zeitfenster in das historische Schwabing der Jahrhundertwende. Die Sonderausstellung erzählt die Geschichte eines Menschen, der sich bis zuletzt leidenschaftlich für Kunstschaffende einsetzte.